Gepostet am Feb 5, 2014

Lange Haare sind nicht einfach nur schön, sie sind ein Symbol. Gepflegt und glänzend sind sie ein unverwechselbares Zeichen von Gesundheit und Jugendlichkeit. Sie sind begehrenswerter Schmuck und das Attribut der weiblichen Schönheit. Bei manchen Frauen wachsen sie einfach so - andere haben eine Kunst aus dem "wachsen lassen" gemacht. Über viele "Hausmittel" und "Geheimtipps" kann ich als Friseurin nur lächeln... wer es aber wirklich ernst mit der Haarpracht meint, für den gelten drei goldene Regeln:

sei sorgsam  -  sei gewissenhaft  -  sei konsequent! 

Die inneren Werte des Haares

Das Haar ist ein Geflecht aus fein ineinander verzwirbelten Keratinfasern, die dem Haar Stabilität und Festigkeit geben. In den kleinen Zwischenräumen ist eine glitschige, geleeartige Kittsubstanz eingelagert. Dieses Feuchtigkeitsdepot sorgt für Flexibilität, Sprungkraft und Formbarkeit. Umhüllt ist dieses feingliedrige Geflecht von einer Schutzhülle aus sich eng aneinanderschmiegenden Hornplättchen, der sogenannten "Schuppenschicht". Diese beschützt das Haarinnere vor feindlichen Umwelteinflüssen, sie ist aber auch für die Geschmeidigkeit und den Glanz verantwortlich. Im Prinzip sind das die inneren Werte unseres Haares. Diese gilt es zu pflegen und schützen. Das ist die ganze Kunst, und da greifen sie, die drei goldenen Regeln für lange Haare: sei sorgsam - sei gewissenhaft - sei konsequent! Und zwar immer.

Die innere Einstellung zählt

Gute Haarpflege ist nicht auf mein Badezimmer, oder den Friseursalon beschränkt. Es ist mehr die grundsätzliche Einstellung zu meinen Haaren als das reduzierte Verwenden von bestimmten Produkten. Sorgsam, gewissenhaft und konsequent bin ich also bei der Auswahl meines Shampoos, der richtigen Kur, meiner Spülung, meins Föhnes, meins Glätteisens... Die Qual der Wahl begleitet mich auf Schritt und Tritt.

Beginnen wir einmal strategisch bei der schützenden Haaroberfläche mit meiner Sorgsamkeit. Ist die Haaroberfläche lückenlos intakt, sind die inneren Werte meines Haares sicher verwahrt. Von der Natur aus ist das folgendermaßen eingefädelt: das Haar wächst aus der Haarwurzel mit dem rasenden Tempo von etwa einem Zentimeter im Monat heraus und wird clevererweise noch direkt in der Kopfhaut mit einem pflegenden Säure-Schutz-Mantel versehen. Dieser besteht aus Schweiß und Talg, also Fett. Ungünstigerweise entspricht diese, von der Natur eingerichtete, Selbstversorgung nicht gerade meinem Schönheitsideal. Und stellt sich dieser "naturgepflegte" Zustand bei meinen Haaren ein, greife ich zur Shampooflasche!

Und jetzt geht’s los. Ich brauche ein Shampoo das zuverlässig den Talg und Schmutz entfernt, ohne meine Haare auszulaugen. Sei sorgsam, sei gewissenhat, sei konsequent lauteten also meine Regeln schon beim Shampoo einkaufen. Produkte die das Haar aufquellen lassen scheiden aus. Sie würden die eng aneinandergeschmiegten Schutzschüppchen aufrauen und glanzlos abstehen lassen - nein danke - so nicht.  Also Hände weg von Baby-Shampoo (quillt das Haar auf! leider meistens weder mild noch sensitiv zu den Haaren... dafür brennt es nicht in den Augen. Aber ich bin ja schon groß und wasche meine Haare und nicht meine Augen) und keine Schuppen Shampoos (auch die versuchen die lästigen Hautschuppen aufzuquellen um sie von der Kopfhaut lösen zu können... nichts für sorgsame Langhaarfans. Bei Schuppen lieber spezielle Ampullen oder Fluides einmassieren). Zum eigentlichen Haarewaschen könnte ich jetzt einen eigenständigen Artikel verfassen, aber das muss warten.

Denn viel wichtiger ist die Frage nach meiner Haarpflege, also Kur oder Spülung, oder beides? Sei gewissenhaft - Das meine ich ernst! Weder Kur noch Spülung nutzen meinen Haaren etwas, wenn ich sie im Regal im Badezimmer stehen habe. Somit ist klar, nur das Pflegeprodukt, das ich benutze hat einen spürbaren Nutzen. Ich persönlich bin da sehr sorgsam und habe sicherheitshalber alles im Bad, aber ich bin ja auch Friseurin. Also keine Sorgen machen und vor dem Einkaufen gut überlegen.

Held der Haarpflege 

Spülungen pflegen die Haaroberfläche. Sie werden nach jeder Haarwäsche angewendet und sorgen für Glanz, Kämmbarkeit und Geschmeidigkeit. Sie wirken auf den ersten Blick unspektakulär. Aber in Wirklichkeit ist die Spülung der echte Held in der Haarpflege. Denn sie stellt den natürlichen Säureschutzmantel wieder her und versorgt das Haar effektiv mit verlorengegangener Feuchtigkeit. Vorausgesetzt sie wird konsequent nach jeder Haarwäsche angewendet.

Kuren sind unerlässlich

Kuren bauen das Haar von innen auf. Sie bestehen aus Keratinbausteinen, Ölen oder Fetten und Feuchtigkeit. Also den Grundbausteinen der Haarstruktur. Kuren brauche Zeit. Ja ich weiß, das ist lästig, aber leider unerlässlich. Mindestens 5 Minuten! Besser wären 10-15 Minuten, es lohnt sich kurz nachzulesen was der Hersteller vorschlägt, der sollte es am besten wissen. Soll eine Kur wirklich etwas nutzen ist die regelmäßige Anwendung unerlässlich. Jede 5 - 7 Haarwäsche ist ideal, länger als 10 Haarwäschen sollte man nicht warten. Nur um "regelmäßig" einmal sorgfältig zu definieren. Auch zu diesem Thema werde ich wohl noch einen extra Artikel schreiben... ich halte mich also kurz: Kuren sind ab einer gewissen Haarlänge unerlässlich, sie sind die intensivste Pflege und können kleine Wunder bewirken, dazu muss man sie aber auch benutzen und dann so lange wie möglich einwirken lassen. Kuren kümmern sich um den Gesundheitszustand im Haarinneren, sie sorgen für Stabilität und Festigkeit, geben Sprungkraft und füllen Lücken in der Haarstruktur auf.

Leaf-in Produkte

Nun gibt es noch jede Menge Haarpflegeprodukte die weder Spülung noch Kur sind. Es sind so genannte Leaf-in Produkte, also Pflegepräparate, die nicht ausgespült werden. Es gibt sie in allen Formen: Schaum, Creme, Fluid, Öl oder Spray... allen ist gemeinsam, dass sie spezielle Nischen ausfüllen. Also individuelle Zusatzbedürfnisse meiner Haare befriedigen wollen. Ein Beispiel: Fliegen meine Haare und laden sich statisch auf, ist es durchaus sinnvoll ein Feuchtigkeitsspray zu benutzen. Oft stellt sich das Problem nur in einer bestimmten Jahreszeit, bei Stress oder Ausnahmesituationen wie im Urlaub. Leaf-in Produkte sollten nie die alleinige Haarpflege darstellen, sondern eben ein zusätzlichen Bonbon bei zusätzlichen Belastungen sein.

Behutsamer Umgang

An alles gedacht? - noch lange nicht! Wie fühlen sich denn ihre Handtücher an? Sie meinen das geht mich nichts an – richtig - mich nicht, aber Ihre Haare schon. Harte und störrische Handtücher sind nichts für zarte Haare. Sie könne sich gar nicht vorstellen wie schnell man gepflegte Haare mit einem rauen Handtuch kaputt rubbeln kann. Gerubbelt wird übrigens gar nicht! Nicht mal dran denken!
Unseren Auszubildenden lernen wir Friseure vom ersten Arbeitstag an, dass wir sanft und vorsichtig mit den Haaren umgehen. Unseren Langhaar-Kunden verraten wir das leider selten. Daher noch einmal in aller Deutlichkeit von mir: es wird nicht gerubbelt, das nasse Haar wird nur sanft in ein weiches Handtuch ausgedrückt!

Und das ist erst der Anfang. Scharfkantiges wird gnadenlos aussortiert! Bürsten, Kämme, Haarklammern und Haarschmuck müssen sich meiner strengen Qualitätskontrolle unterziehen. Im Schrank darf nur bleiben, was gut zu meinen Haaren ist, ja da bin ich konsequent. Alles andere kommt weg. Auch bei den Geräten ist meine Sorgfalt gefragt. Föhn, Glätteisen, Lockenstab, Lockeneisen und Co. sind potenzielle Gefahrenquellen.

Soviel Gefahr wie nötig - soviel Schutz wie möglich

Hier sind zwei Überlegungen für meine langen Haare überlebensnotwendig. Zum Ersten, wie viel "Gefahr" ist nötig? Zum Zweiten, wie kann ich meine Haare beschützen? Fangen wir mit der Gefahr an, hier gilt: soviel wie nötig - so wenig wie möglich! Ich möchte meine Haare nicht kalt föhnen, vermeide aber unnötige Hitze. Ich will haltbare Ausgehfrisuren, reguliere meine Stylinggeräte wie Glätteeisen und Lockeneisen aber auf ein vernünftiges Maß.
Nun zum Schutz. Da ist weit mehr Potenzial als man denkt. Hitzeschutz ist ein wirklich großes Thema. Doch auch da habe ich die Qual der Wahl. Denn was ist eigentlich Hitzeschutz? Im Normalfall ist in jedem Festiger ein Hitzeschutz mit inbegriffen. Wer also standardmäßig einen Haarfestiger verwendet ist auf der sicheren Seite. Doch gerade Langhaarfans wollen oft keine Festigung im Haar, es soll nicht verkleben und daher wird oft auf den Festiger verzichtet. Doch genau da entsteht die Gefahr. Verzicht ist keine Lösung.
Ich benutze ein Föhn-Spray mit minimalem Halt bei maximaler Flexibilität und natürlich 100% Schutz vor Hitze, UV-Strahlung und Witterungseinflüssen. Ja auch da bin ich gewissenhaft und  konsequent.

Stress ist gar nicht gut

So, und nun noch ein paar außergewöhnliche Stress-Situationen für lange Haare und mögliche Schutzmaßnahmen. Unsere moderne Freizeitgestaltung ist oft sehr stressig für lange Haare. Sonne - Sauna - Solarium zum Beispiel, ein ausführliches Sonnenbad, Sport an der frischen Luft, Gartenarbeit, ein genüsslicher Saunaabend... alles durchaus entspannend und erholsam, für mich - purer Stress für meine Haare! Noch ein schönes Beispiel: Urlaub - Meer & Pool oder ein Besuch in der Therme oder im Schwimmbad. Sehr verlockend, dennoch außergewöhnlich stressig für meine Haare. Denn bei denen kommt Salz- oder Chlorwasser, Wind und UV-Strahlung gar nicht so gut an. Bei außergewöhnlichen Situationen sind außergewöhnliche Maßnahmen gefragt. Vorher gut überlegen, und das Wohl meiner Haare nicht aus den Augen lassen. Sorgsam - gewissenhaft und konsequent!

Meine Überlebensstrategie für die Sauna ist beispielsweise folgende: erst duschen und Haare waschen, dann Kur auftragen und meine Haare in ein feuchtes Handtuch einpacken, dann in die Sauna, und nochmal in die Sauna, und nochmal... (die Kur ist immer noch drauf) und erst zum Schluss wird meine Kur ausgewaschen und mit meiner Sauer-Spülung versiegelt. Genial! Versprochen. Jetzt bräuchte ich nur noch Zeit für die Sauna - meine Haare hätten es gerade nötig.

Danke fürs lesen, ich hoffe wir treffen uns wieder.
Bis dann Ihre Katherina Back

 

weitere Artikel:

Mythos Blond
Graue Haare - alst oder sexy?
schöne Haut & frischer Teint

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.