Gepostet am Mrz 17, 2014

Graue Haare – alt oder sexy?

Für viele Männer ist das gar keine Frage. Sie stellen sich den Zeichen der Zeit und stehen zu ihren grauen Haaren. Doch mittlerweile entscheiden sich auch immer mehr Frauen bewusst zu ihrer "neuen" Naturhaarfarbe. Die Gründe sind unterschiedlich und vielfältig. Doch wie ist die Wirkung von grauen Haaren? Lassen sie uns wirklich alt aussehen? Kann man graue Haare in jeder Haarlänge tragen? Was ändert sich für mich, wenn ich mich für meine grauen Haare entscheide. Ich will versuchen, ein wenig Licht ins Grau zu bringen und beschreibe die Thematik aus meiner Sicht. Der Sicht einer Friseurin.

Wann bin ich alt genug für graue Haare?

Das ist eine sehr persönliche Frage. Heutzutage haben wir unzählige Möglichkeiten die Natur zu hintergehen. Am professionellsten sieht es dann aus, wenn man(n) es gar nicht merkt. Doch wann bekomme ich mein erstes graues Haar? Und warum überhaupt?

Beide Fragen lassen sich wissenschaftlich nicht eindeutig beantworten. Die Haare werden übrigens nicht wie oft angenommen grau, sondern farblos, also weiß. Erst bei der Mischung mit dunkel pigmentierten Haaren erscheint das Ergebnis grau. Im Folgenden schreibe ich also nicht mehr nur von grauen, sondern meistens von weißen Haaren.

Mein erstes weißes Haar habe ich erst vor ein paar Monaten entdeckt. Das wäre dann mit 33 Jahren voll im Durchschnitt der Europäer. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass ich meine "Naturhaarfarbe" schon seit Jahren kaum mehr kenne. Ich kenne allerdings etliche Menschen die es deutlich länger ohne weiße Haare geschafft haben, zugegebenerweise allerdings auch viele, die schon lange vor mir ergrauten.

Der genaue Zeitpunkt ist ein Zusammenspiel von geerbten Genen und persönlicher Lebenssituation. Um es kurz zu machen: je früher meine Eltern und Großeltern grau wurden, desto wahrscheinlicher ist es auch bei mir, früh zu ergrauen. Sorgen, Stress, ungesunde Lebensweise, wenig Schlaf, Dauerbelastung, Krankheit oder verschiedene Medikamente erhöhen das Risiko nochmal deutlich - aber das trifft uns ja nicht 😉

Macht grau nun alt oder sexy?

Beides! Graue und/oder weiße Haare signalisieren deutlich eine gewisse Lebensweisheit, Erfahrung und Gelassenheit. Ob das nun sexy ist? Das ist wohl genauso umstritten, wie die Frage ob Bart sexy ist, oder Brusthaare... Naja, ich will das jetzt nicht weiter ausführen. Sicher ist eines: Bei einem ergrauten Mann sind wir Frauen uns ziemlich sicher, dass er nun alt genug ist um eine Familie zu ernähren, er hat eindeutig das Teenager Alter hinter sich gelassen und wir setzten somit die sichtbaren Zeichen der Alterung mit einem gewissen Entwicklungsstand gleich. Daher vermittelt uns der "George Cloony Look" neben Sexappeal auch Sicherheit und Beständigkeit.

Aber wie sieht das bei uns Frauen aus? Die vergangenen Mode-Ikonen haben uns eine gewisse "alterslose" Schönheit vorgelebt. Frauen wie Cher (68), Meg Ryan (50) oder Julia Roberts (46) sind hier ein paar prominente Beispiele, wie raffiniert wir Frauen die Naturgesetze außer Kraft setzen können. Aber ist das wirklich notwendig - und wollen wir uns das antun? Bei vielen Stars ist längst klar: gesunde Ernährung und teure Kosmetik allein reichen sicher nicht aus, sich selbst und uns so zu täuschen.

Doch die Zeiten ändern sich! Moderne Unternehmen werben längst für die neue Zielgruppe. Echte Werte sind wieder gefragt. Wir begreifen, dass unser Leben, die Umwelt und die Natur eng miteinander verbunden sind. Sich auch als Frau zu seinen weißen Haaren zu bekennen ist wieder "in"

Weiß ist keine Farbe - es ist ein Status

Die Wirkung von weißhaarigen Frauen auf ihre Umwelt ist heute einem Wandel unterzogen. Wir nehmen diese Frauen nicht mehr automatisch nur als alt wahr, oft sehen wir ihren Mut, oder bewundern Ihre Stärke. Sie wirken zielstrebig, verantwortungsbewusst und unabhängig. Weißes Haar zeigt Charakter und Stil. Wir sollten uns allerdings nicht der Illusion hingeben, dass diese Frauen keinen Wert auf Ihr Äußeres legen - ganz im Gegenteil. Wenn die oben beschriebene Wirkung eintreffen soll, ist ein außerordentlich gepflegter Auftritt Grundvoraussetzung. Der Grad zwischen "stilsicherer Lady" und "alter Omi" ist schmal.

Je farbloser die Haarfarbe wird, desto mehr wird der Haarschnitt sichtbar. Wenn weiße Haare lang getragen werden, wird es noch kniffliger. Offen wirken sie schnell ungepflegt, daher sind Steckfrisuren und Haarspangen unerlässlich. Der Pflegeaufwand erhöht sich schnell. Doch auch kurz geschnitten, sind die weißen Haare keinesfalls immer "pflegeleicht".

Weiß ist nicht gleich weiß! Ohne die richtigen Insider-Tipps sieht das Haar leider oft vergilbt oder dreckig aus. Die altbewährten Produkte, die schon unsere Omas kannten um diesem unerwünschten Gilb-Effekt entgegenzuwirken, sind auch nicht immer optimal, denn lila (oder gar blau) soll es natürlich auch nicht aussehen. So ist für jedes weiße Haar ein speziell abgestimmter Pflege-Mix notwendig um immer strahlend Silber auszusehen. Oft kommen sogar unauffällige Tönungen zum Einsatz, die dem Haar den sanften Glanz einer schimmernden Perle verleihen... ja, ja - da sind uns keine Tricks zu Schade.

Salz und Pfeffer

Wenn sich weiße Haare ganz gleichmäßig mit dunklen Naturhaaren vermengen, nennt man diese Mischung "Salz & Pfeffer". Sie ist relativ selten, da die meisten Menschen erst an den Schläfen weiß werden. Erst nach und nach mischen sich weiße Haare ins Deckhaar oder in den Nacken. Bis man ganz weiß ist, kann es viele Jahre dauern. Wem es trotzdem zu schnell geht, kann das allerdings gut mit dunkleren Strähnen verzögern. So können wir Friseure auch partiell eingreifen, wenn der Weißanteil zu stark unterschiedlich ist und die Haarfarbe fleckig aussieht. Wichtig ist hierbei natürlich, dass die verwendete Strähnenfarbe der Naturhaarfarbe sehr ähnlich ist, sonst kommt es zum Streifenhörnchen-Effekt, und der ist dann ganz sicher nicht mehr elegant.

Was ändert sich für mich, wenn ich mich für meine weißen Haare entscheide?

Viele entscheidende Details müssen bei so einer Veränderung gründlich besprochen und abgestimmt werden. Die Haarfarbe hat einen sehr großen Einfluss auf die Gesamtwirkung eines Menschen. So ist ein altersgerechtes, und natürlich typgerechtes Make-up meist unerlässlich. Ohne Farbe in den Haaren wirkt das Gesicht schnell blass und müde. Ein passender Puder, ein wenig Rouge und ein toller Lippenstift können schnell und zuverlässig Frische ins Gesicht zaubern. Ausdrucksstarke Accessoires werden positiv wahrgenommen! Eine freche Brille, gefärbte Wimpern und gut gezupfte/gefärbte/gepuderte Augenbrauen wirken kleine Wunder.

Manchmal ändert sich sogar der ganze Kleidungsstil. Von "Ton in Ton" Outfits, oder dem oft gekauften  "so unauffällig wie möglich" Look rate ich dringend ab! Grell & Bunt ist allerdings auch nicht immer die beste Wahl. So empfehlen sich farbig abgestimmte Tücher, Handtaschen, Gürtel und Schuhe zu neutralen, oder gedeckten Kleiderfarben. Und auch da werden "alte" Werte wieder ganz groß geschrieben. Es ändert sich also doch einiges, sprechen Sie mit Ihren Lieben darüber, und natürlich mit Ihrem Friseur.

Ich persönlich habe mich "noch" gegen diese Wirkung von weißen Haaren entschieden. Ich habe zwei Kinder, wenn ich die morgens in den Kindergarten bringe, bin ich weder weise, noch gelassen. Und was meine Lebenserfahrungen angeht habe ich beschlossen, dass ich noch weit mehr sammeln möchte, als ich schon erfahren habe.

Danke fürs lesen, ich hoffe, wir treffen uns wieder.
Bis dann, Ihre Katherina Back

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